CLUB RADIOKOJE 2019

CLUB RADIOKOJE 2019

Samstag, 22.06.2019, 13:00-20:00 Uhr
Kongressbad Wien, Julius-Meinl-Gasse 7A, 1160 Wien

Das Projekt findet in Kooperation mit der IGNM – der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik sowie der MA 44 – Städtische Bäder Wiens statt.

Als Weiterführung und Update öffentlicher (Bade)KULTUR in Wien realisiert der Verein czirp czirp – sonic and experimental arts eine Serie von Konzerten, Sound Installationen und Tanzveranstaltungen in öffentlichen Badeanstalten, um einem breiten Publikum das Zwitschern, Brummen und Klingen von Künstler*innen, die mit Sound und elektronischer Musik arbeiten, zugänglich zu machen.

2019 suchen wir die Zusammenarbeit mit Komponist*innen der Neuen Musik, um etablierte Kompositionen zu re-interpretieren oder neue Werke im öffentlichen Bad zu entwickeln, Kompositionsaufträge umzusetzen und überhaupt ein kulturelles Angebot am Pool zu ermöglichen.

Line-up: Elisabeth Schimana (AT), Magnetoceptia (AT/EST), Benjamin Tomasi (IT/AT), Hui Ye (CN)

CZIRP CZIRP @ IGNM
In Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) werden 2019 spannende Experimentierfelder aufgemacht, um die musikalische Form herauszufordern, sie zu verflüssigen, zu verzerren, in andere Aggregate zu überführen und schließlich daraus anregende und emanzipatorische Impulse für Künstler*innen und das Publikum herausziehen.

SONIC WATERS
Die Musikgeschichte kennt einige Beispiele, bei denen der Swimming Pool als Aufführungsort und zum Kompositionsmittel umfunktioniert wurden. So beschäftigte sich z.B. der französische Komponist Michel Redolfi in den 1980er Jahren mit dem Format der Underwater Music. Zahlreiche Kompositionen – allen voran John Cages Water Music (1952) oder Yoko Onos Water Piece (1963) – greifen das Element Wasser, bisweilen auch Elemente der daran angeknüpften Badekultur auf. Künstlerische Interventionen am und im Wasser setzen diese Tradition fort. Der Pool als Erholungsort und gesellschaftlicher Treffpunkt ist zudem eine attraktive Tanzlocation. Dies möchten wir in den folgenden Jahren weiter erkunden und Programme gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern, Badegästen und Bademeistern gestalten.

GESCHICHTE DES KONGRESSBADES
Das Schwimm-, Sonn- und Luftbad Kongreßbad kennt den Wandel seit seiner Erbauung 1928 nur zu gut, hat es schon fast ein Jahrhundert europäischer Geschichte überdauert. Während sich die wilden Zwanziger am Freizeitbedarf der Arbeiter*innen der umliegenden Bezirke Ottakring und Hernals – damals produktiver Industrie- und Wirtschaftsstandort – orientierten, entwickelte sich das Freizeitbad in den 1930er Jahren zum kulturellen Treffpunkt Musikinteressierter. Das Kongressbad spielte eine wichtige Rolle im Zugang musikalischer Unterhaltung, denn in der „Radiokoje“, dem eigenen Radiosender, konnte man die neuste Musik hören. Gerade in der NS-Zeit wurden Musik und Tanz mit Swing und Lindy Hop zum Ausdruck des Widerstands. Es wurden dort verbotene Jazzplatten gespielt.

Die emanzipatorische Funktion des Bads als Ort öffentlicher Kultur trat in den 1960er-Jahren in den Hintergrund. Neuer Wohlstand und die Motorisierung der Nachkriegszeit ermöglichten Urlaube im Ausland, beflügelten die Entkopplung von Wohnort und Freizeitgestaltung. Das gemeinschaftliche Erleben von Musik-, Sport- o. Kinovorstellungen verlor sich schließlich mit der Verbreitung privater Unterhaltungstechnik. In den 1950er-Jahren wurden die beliebten Radiosendungen eingestellt, Sport und Wellness überwogen Kultur. Im Zuge umfangreicher Umbauten wurde die Radiokabine 1987 letztlich abgetragen. Immer noch erzählen ältere Badegäste vom Gesellschaftstanz – barfüßig auf dem Steinboden – und den wilden Liebesgeschichten, die sie dort erlebten.

DOKUMENTATION 2018
Den Auftakt zur Veranstaltungsreihe gab am 16. Juni 2018 im Ottakringer Kongressbad die erste „CLUB RADIOKOJE“ mit live DJ /DJINI sowie experimentellem Konzert am Wasser. Damit knüpfen wir nicht nur geschichtlich an die regelmäßigen gesellschaftlichen und kulturellen Events im Kongressbad an, sondern greifen den musikgeschichtlichen Kontext der Water Music und die klanglichen Materialversuche des 20. Jahrhunderts wieder auf.

Das Projekt findet in Kooperation mit der
IGNM – der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik statt.

Gefördert durch die Bezirksvertretung Ottakring – Bezirksvorsteher Franz Prokop und der MA 7 Musik.