CLUB RADIOKOJE

 

Der Verien czirp czirp wird am 16. Juni 2018 in Kooperation mit der MA 44 – Städtische Bäder an die Geschichte öffentlicher (Bade)KULTUR anknüpfen und im Kongressbad Tanzveranstaltungen sowie Soundperformances realisieren.

Wir möchten einem breiten Publikum das Zwitschern, Brummen und Klingen von Künstler*innen, die mit Sound und Musik arbeiten zugänglich machen.

GESCHICHTE

In Anlehnung an die Geschichte des Kongressbads schlagen wir vor, die „Radiokoje“, die lange Zeit gesellschaftlicher Treffpunkt im Stadtbad war, wieder zu beleben.

1928 eröffnete das Kongressbad für ein sehr gemischtes Publikum aus Arbeiter*innen der umliegenden Industrien und den Bewohner*innen des Stadtteils – oft verbrachten auch beschäftigungslos gewordene Menschen den Tag im öffentlichen Bad. Die Sommer mit Musik, Sportspektakeln und zwischenmenschlichen Begegnungen bedeuteten gerade für Marginalisierungsgefährdete eine Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

In Zeiten, in denen private Musikanlagen noch nicht weit verbreitet waren, spielten die Lautsprecher des Kongressbads eine wichtige Rolle im Zugang musikalischer Unterhaltung.
In der „Radiokoje“ spielte man daher für die Badegäste die neusten Musikschallplatten.

In der NS-Zeit wurden gerade Musik und Tanz (mit Swing und Lindy Hop) zum Ausdruck des Widerstands als damals in der „Radiokoje“ verbotene Jazzplatten gespielt wurden. Ein historisches Highlight war der öffentliche Gesellschaftstanz im Bad, bei dem barfüßig auf dem Steinboden zur Musik getanzt wurde. Immer noch erzählen ältere Badegäste von diesen lustigen Nachmittagen und den wilden Liebesgeschichten aus dieser Zeit.

Die emanzipatorische Funktion des Bads als Ort öffentlicher Kultur trat seit den 1960er Jahren jedoch in den Hintergrund. Der neue Wohlstand der Nachkriegszeit ermöglichte Urlaube im Ausland. Das gemeinschaftliche Erlebnis von Musik-, Sport- oder Kinovorstellungen verlor sich mit der Verbreitung privater Fernsehgeräte, Stereoanlagen und Hausbars. Die Motorisierung durch das Automobil beflügelte schließlich die Entkopplung von Orten des Wohnens und der Freizeitgestaltung.

Im Kongressbad wurden noch bis in die 1950er Jahre beliebte Radiosendungen übertragen. Die „Radiokoje“ wurde erst im Jahr 1987 im Zuge umfangreicher Renovierungen und Umbauten abgetragen.

SONIC WATERS

Die Musikgeschichte kennt einige Beispiele, bei denen der Swimming Pool als Aufführungsort und zum Kompositionsmittel umfunktioniert wurde. So beschäftigte sich der französische Komponist Michel Redolfi in den 1980er Jahren mit dem Format der Underwater Music, zahlreiche Kompositionen (Cage Water Music, 1952; Yoko Ono Water Piece, 1963) und künstlerische Interventionen greifen auf das Element Wasser zurück und der Pool als Erholungsort und gesellschaftlicher Treffpunkt ist nicht zuletzt eine attraktive Tanzlocation. Dies alles gilt es weiter zu erkunden!

Unterstützt von: Bezirkskultur Ottakring