ZIKADENSPIELE

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ZIKADENSPIELE (2021)
ASMR Hörspiele-App für eine Stimme und sieben Geister

Von Claire Tolan

Laufzeit: Juni – Oktober 2021 

Ort: Sonnenwiese im Kongreßpark Wien Ottakring (alternativ unter der Milchhalle)

Voraussichtliche Präsentation mit Picknick am Freitag, 18. Juni, 16 – 19 Uhr und Samstag, 19. Juni, 10 – 13 Uhr

Ein rauschendes Zirpen erfüllt die flirrende Sommerhitze. Im Grün des Parks sitzend, flüstert man uns Dinge aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu. Die Zikaden dieses Hörspiels sind Klatschtanten und Voyeure. Sie beobachten die Welt und spekulieren über die Natur der Dinge. Sie nutzen ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response), um uns zu betören und zu entspannen und uns daran zu erinnern, dass es Wirklichkeiten außerhalb der menschlichen gibt. Mit denselben Werkzeugen fördern sie also das Bewusstsein für unsere Umwelt, unsere menschlichen und nicht-menschlichen Begleiter* und uns selbst.

Kongreßpark (links) und Kongreßpark (rechts) aus der Vogelperspektive.

CICADA GAMES ist ein Kunstprojekt, das auf einem ASMR-Hörspiel basiert und als Augmented Reality App für den Kongreßpark konzipiert ist und für iOS und Android zum Download steht.

Ein Flüstern über Geschichte und Zeit, Isolation und Konspiration.

Sich kontextuell auf das Radio-Hörspiel Die Zikaden (1954) von Ingeborg Bachmann und Platons Phaidros beziehend, versetzt uns CICADA GAMES in einen akustischen Rausch. Die mythologischen Figuren der Zikaden sitzen in den Bäumen und flüstern uns Wahres und falsches aus ihrer Perspektive als Kinder der Musen zu.

Der Kongreßpark, die grüne Insel im urbanen Ottakring, – benannt nach dem Wiener Kongress (1814-15) – ist geprägt durch die konfliktreiche jüngere Geschichte Wiens und Europas. An dieser innerstädtischen Front wehrte man sich z.B. in den 1930er Jahren gegen die Ausbreitung des Faschismus (Februarkämpfe). Heute zeigt sich hier der unbekümmerte Wiener Alltag, hier sieht man die Spuren der Wiener Moderne und man fühlt das Wirken linker sozialistischer Utopien (Rotes Wien).

In Form einer poetischen Aufarbeitung macht dieses Hörspiel den Parkbesucher*innen Aspekte von Deutungshoheit, Macht und Ideologie greifbar. Es ist eine Erweiterung des Parkerlebnisses durch einen virtuellen Klangraum, der unserer Wirklichkeit eine zusätzliche Ebene von Mystik und Glanz verleiht. In dieser fiktiven Welt treten die flüsternden Zikaden als Medien bisweilen verstummter Geister der Stadt auf (Teresa Feodorowna Ries, Hilda Doolittle, Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, u.a.), während sie über ihre eigene Existenz fabulieren.

Kuratorin: Lona Gaikis

Grafik: Milena Georgieva

Gefördert von KÖR Kunst im öffentlichen Raum, dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) sowie der Stadt Wien.