MINOR GESTURES | KÜNSTLER*INNEN

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JASMIN GUFFOND

Jasmine Guffond © Camille BlakeBild: Camille Blake.

 

Jasmin Guffond (AUS/DE) (*1972), australische Komponistin und Klangkünstlerin, lebt und arbeitet in Berlin. Ihre künstlerische Praxis positioniert sich an den Schnittstellen sozialer, politischer und technischer Infrastrukturen und verbindet elektronische Komposition und Installation, Live-Performance und datengestützte Sonifikation.

Ihre künstlerische Methode zeichnet sich durch eine Kombination aus einem äußerst feinen Gespür für elektroakustische Differenzierungen und der Suche nach konzeptioneller Tiefe aus. Mit Muzak for the Encouragement of Unproductivity (2025) stellt Guffond eine Kritik an der kapitalistischen Ökonomisierung vor. Dieses prozessuale künstlerische Projekt (seit 2021) bezieht sich auf David Graebers Buch Debt: The First 5000 Years (2011) und ist eine poetische Umkehrung der klassischen Funktionalität von Muzak (als Fahrstuhlmusik in Kaufhäusern bekannt). Wo traditioneller Muzak den Konsum der Kund*innen und die Produktivität Verkäufer*innen steigern sollte, schafft Guffond mit ihrem Gegenentwurf einen Klang, der zu langsam, zu präzise und zu kostbar für die Profitorientierung ist. Es ist eine Apologie für das Recht auf Müßiggang, auf Unproduktivität als politischen Akt gegen die Konsumzyklen des post-kapitalistischen Techno-Feudalismus.

 

 

ROOZBEH NAFISI

Roozbeh Nafisi © Jutta FischelBild: Jutta Fischel.

 

Roozbeh Nafisi (IR/AT) (geb. 1979) ist iranisch-österreichischer Komponist und Santur-Spieler, dessen Familie um 2000 in die USA auswanderte. Roozbeh lebte in Japan, bevor er Mitte der 2010er ganz nach Österreich übersiedelte. Seine Arbeit ist tief in persönlichen, politischen und kulturellen Erfahrungen des Iran verwurzelt. Roozbehs früheste musikalische Erinnerungen sind beispielsweise mit den Bombardierungen Teherans während des Iran-Irak-Krieges der 1980er verwachsen sowie dem Gefühl des kulturellen Erstickungszustands in der frühen Islamischen Republik. Künstlerische und musikalische Freiheit findet im Iran seither nur im Schutz des Privaten statt. Trotz Repressionen lernte Roozbeh das Spiel auf dem Santur, einer persischen Schlagzither (liebevoll „persisches Hackbrett“ genannt).

 

 

Ж IGNASHEV

E IgnashevBild: E Ignashev.

 

Ж Ignashev (RU/AT) lebt und arbeitet als Komponist und Klangkünstler in Wien. Sein Werk widmet sich immersiver resonanter Klangräume, die musikalisches Spiel mit der Erfahrung reiner akustischer Empfindungen verweben. Seine Praxis erforscht surreale, oneiräsche (flüchtige, traumartige) sowie konkret-sinnliche Phänomene. Ignashev entwickelt akusmatische Kompositionen mit Live-Elektronik, Klanginstallationen sowie audiovisuelle Arbeiten für Bühne und Film. Methodisch arbeitet er dabei mit Psychoakustik, rhythmischer und gestischer Asymmetrie und Mikrotonalität. Dabei entstehen immer ortsspezifische, räumliche Klangprojektionen. Synthesen aus Feldrecordings, selbst gebauten elektroakustischen Instrumenten und bisweilen Vokal- und Instrumentalverfremdungen.

Ignashev ist Mitbegründer des Punktum-Kollektivs (Ensemble und Konzertreihe) sowie ACT (A Certain Trio), W~ARP (Wiener ARP2600-Ensemble) und Marie Byrd Land.

Gefördert durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS), Stadt Wien MA 7 Kultur und die Bezirkskultur Josefstadt.